„Arm aber sexy“ – das war vor Jahren das Motto von Berlin, chronisch pleite und trotzdem sehr beliebt. Altersarmut hat leider nichts mehr mit sexy sein zu tun. Die Realität ist, dass manch ein Rentner im Müll nach Pfandflaschen suchen muss, um sich die Rente aufzubessern. Das ist nicht unbedingt das was wir uns für später wünschen, würde ich behaupten. Also Zeit sich nicht nur jetzt um #YOLO und #livingyourbestlife zu kümmern, sondern mal den Lifestyle der Zukunft „nachhaltig“ zu gestalten.

Eine Studie der Bertelsmann-Stiftung zeigt auf, wer im Alter besonders armutsgefährdet ist. Bis 2036 steigt die Armutsrisikoquote der dann 67-Jährigen insgesamt von heute 16 auf 20 Prozent an. Wird es dich treffen?

Hier sind die fünf Gruppen, die am meisten gefährdet sind:

  1. 2036 wird jede 4. Frau von Altersarmut betroffen sein

Traurig aber wahr. Irgendwie haben wir es ja geahnt. Und jetzt gibt es auch noch die passende Statistik dazu. Bei alleinstehenden Frauen ist die Zunahme des Armutsrisikos besonders stark. Laut der Bertelsmann-Studie steigt der Anteil der Frauen, deren Einkommen im Alter nicht fürs Leben reicht von heute 16 auf knapp 28 Prozent im Jahr 2036 an. Das ist fast eine Verdopplung und trifft somit mehr als jede vierte Frau. Im Alter von 44-66 Jahren sind lediglich ein Drittel der Vollzeitbeschäftigten Frauen. In der Teilzeitbeschäftigung sieht es in dieser Altersklasse anders aus: hier liegt der Anteil der Frauen bei 87 Prozent. Die geringfügige Arbeit ist ähnlich verteilt. Ein Pflegefall in der Familie, ein kleines Kind oder andere Gründe sind meist Auslöser warum Frauen beruflich zurücktreten. Das sich dies in der Rente negativ auswirkt ist klar. Die Studie bestätigt auch, dass Frauen im Schnitt geringere Löhne bekommen, als Männer. All das benachteiligt Frauen und bereitet den Boden für Altersarmut. Der Staat berücksichtigt diese Problematik leider nicht genügend.

2. Personen die langzeitarbeitslos waren

Das Problem ist hier recht eindeutig: Wer langzeitarbeitslos ist, wird nicht die notwendigen Versicherungszeiten erreichen und erhält in der späteren Rente dann nicht genug Geld, um davon leben zu können. Als Langzeitarbeitslos gelten Personen, die mindestens fünf Jahre arbeitslos waren. Um in Deutschland einen Anspruch auf die gesetzliche Rentenversicherung zu haben muss man mindestens 35 Jahre Vollzeit beschäftigt gewesen sein (inkl. Kindererziehungszeiten). Hier liegt das Rentenantrittsalter derzeit bei 67 Jahren und in Österreich bei 65 Jahren. Man sollte demnach bereits ab 30 Jahren möglichst durchgehend bis zur Rente Vollzeit arbeiten, damit am Ende auch was brauchbares rauskommt. Eine Garantie dafür gibt es aber selbst dann nicht.

3. Personen mit niedriger oder keiner Ausbildung

Das haben wir schon in der Schule gelernt: Wer keine gute Ausbildung hat wird es schwer haben einen Job zu finden – Jetzt denken wir das Ganze noch einen Schritt weiter: Nach der Arbeitslosigkeit kommt die Altersarmut. Arbeitsmarkterfahrung und Ausbildung gehen Hand in Hand und bestimmen das Einkommen und somit die Rente. In Deutschland haben rund ein Viertel der Menschen keinen beruflichen Bildungsabschluss und vier Prozent keinen Schulabschluss (Stand 2017).

4. Haushalte in Ostdeutschland

Ein Wohnsitz in Ostdeutschland, frühere Arbeitslosigkeit oder ein Migrationshintergrund: Wer diese Merkmale aufweist verdient im Schnitt weniger Gehalt. Bis 2036 wird sich laut Studie das Armutsrisiko für Neurentnerinnen in Ostdeutschland im Vergleich zu Westdeutschland fast verdoppeln: Die Armutsrisikoquote wird dann bei ca. 36 Prozent liegen. Grund dafür ist die hohe Arbeitslosigkeit, die Ostdeutschland in den 1990er und frühen 2000er Jahren erlebt hat.

5. Personen mit geringer gesetzlicher Rentenversicherung oder Migrationshintergrund

Macht Sinn. Das mit dem Rentenanspruch ist jetzt klar. Wer nicht lange genug Vollzeit gearbeitet hat, bekommt keine gute Rente. Das trifft auf Menschen mit Migrationshintergrund in erster Generation zu. Wer erst in älteren Jahren nach Deutschland zieht, wird die Rentenjahre nicht so leicht einholen, um nur einen Aspekt der Problematik zu benennen.

Eine eigene Immobilie kann Armut abfedern

Rentner, die in einer abbezahlten eigenen Immobilie wohnen, müssen keine Miete zahlen und verfügen daher über einen höheren finanziellen Spielraum. Immobilienbesitz hat laut Studie meist einen positiven Einfluss auf die Ersparnisbildung und Altersvorsorge. Allerdings zeigt die Studie auch, wer sich am ehesten eine Immobilie leisten kann. Insgesamt haben Personen, die in einem Paarhaushalt leben mit größerer Wahrscheinlichkeit Wohneigentum, als Alleinstehende. Am häufigsten besitzen in Partnerschaft lebende Beamte und Freiberufler Immobilien. Am schlechtesten sieht es für Arbeitslose aus.

Drei Viertel der Leute über 55 bevorzugen Spareinlagen

Drei von vier Personen ab 55 Jahren (74%) haben entweder Spareinlagen oder einen Bausparvertrag. Knapp jeder Dritte Haushalt (29,3%) besitzt Wertpapiere, darunter nur 10 Prozent Aktien, Fonds oder Anleihen. Laut Studie, beeinflussen Niedrigzinsen die Altersarmut negativ. Niedrigzinsphasen bedeuten u.a., dass auch die Zinsen auf dem Sparkonto niedrig sind. Die Zinsen auf dem Konto sind dann geringer, als die reale Inflation, was dazu führt, dass Ersparnisse auf dem Konto über die Zeit an Wert verlieren. Deshalb sollten viel mehr Menschen über Alternativen zum klassischen Sparbuch nachdenken, um privat vorzusorgen. Denn auf die staatliche Rente allein, sollte man sich nicht verlassen.

Fazit: Altersarmut ist weiblich

Armut kann jeden treffen, das ist klar. Die Studie macht aber auch deutlich, dass Frauen viel häufiger betroffen sind. Nicht weil sie per se ungebildet sind, sondern weil sie beispielsweise ein Kind haben, für das sie zu Hause geblieben sind. Die Altersarmut der Frauen ist ein strukturelles Problem. Das aktuelle Rentensystem straft das Muttersein leider finanziell ab. Selbst abseits der Familie haben Frauen in vielen Lebensbereichen für Verbesserungen zu kämpfen: z.B. gleiche Gehälter, Pink Tax und so weiter. Selbst wenn es in Deutschland für die Erziehungszeit in der Rente extra „Punkte“ gibt, ist das nicht mit den Einzahlungen eines Jobs zu vergleichen.

Die Studie zeigt auch, dass es Freiberuflern tendenziell finanziell besser geht. Natürlich nicht allen. Aber wer es schafft sich ein stabiles Geschäft aufzubauen, profitiert finanziell mehr als ein Angestellter. Ist also eine Überlegung wert sich selbstständig zu machen!

Wie sieht es bei dir aus? Machst du dir schon Gedanken zu deiner Rente oder scheint das alles noch zu weit weg zu sein? Schreibe es unten in die Kommentare.

Wer die Studie im Ganzen lesen möchte findet hier den Link:

https://www.bertelsmann-stiftung.de/fileadmin/files/BSt/Publikationen/GrauePublikationen/Entwicklung_der_Altersarmut_bis_2036.pdf

Weitere Quellen:

https://www.destatis.de/DE/ZahlenFakten/GesellschaftStaat/BildungForschungKultur/Bildungsstand/Tabellen/Bildungsabschluss.html

Share/Teilen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.